Tageblatt

21. Februar 2019. 13:17 Uhr - Akt: 21. Februar 2019. 13:18 Uhr

Wie vielschichtig musikalische Farben sein können, zeigten zwei sehr unterschiedliche Konzerte in der Philharmonie. Sowohl die junge Rising-Star-
Harfenistin Anaïs Gaudemard wie auch das „Orchestre philharmonique du Luxembourg“ unter Gustavo Gimeno und mit der Sopranistin Anja Harteros wussten auf allerhöchstem Niveau zu überzeugen.

Von Alain Steffen

Obwohl sie auch optisch das schönste Instrument ist, das man sich vorstellen kann, und es sie historisch gesehen schon seit Tausenden von Jahren gibt, ist die Harfe in ihrem Repertoire doch ziemlich eingeschränkt. Spielte sie in der alten Musik und der Renaissance noch eine wichtige Rolle, geriet die Harfe später mehr und mehr in Vergessenheit, wohl auch weil sie kein typisches Instrument war, das die Musik der Klassik, der Romantik oder Post-Romantik repräsentierte. Seit Kurzem beginnt man aber, sich wieder mehr für diese galante Königin der Instrumente zu interessieren und die Solistin Anaïs Gaudemard bewies in ihrem Konzert, dass es sich auch wirklich lohnt.

Die Rising-Star-Künstlerin ist eine Vollblutmusikerin, das merkte man ab der ersten Note. Anaïs Gaudemard hatte ein sehr vielseitiges Programm zusammengestellt, wobei sich Originalkompositionen wie Elias Parish Alvars’ „Introduction et variations sur des thèmes de Norma de Bellini“, Gabriel Faurés „Impromptu op. 86“, Henriette Reniés „Légende“ und Albert Zabels „La source op. 23“ mit Interpretationen von „Clair de lune“ von Debussy, der „Sonate K. 109“ von Domenico Scarlatti, „L’Alouette“ von Glinka und der „Moldau“ von Smetana abwechselten.

Als Auftragswerk erklang „Nighthawks“ für Solo-Harfe nach dem Bild Edward Hoppers von der jungen Komponistin Camille Pépin (*1990). Gaudemard erwies sich als eine Meisterin ihres Instruments, die es vor allem mit wunderschönen Klangfarben und -malereien schaffte, das zahlreich erschienene Publikum zu begeistern.

Jedem Werk konnte Gaudemard einen anderen Ausdruck, eine andere Farbmischung abgewinnen, sodass man die Vielseitigkeit der Harfe hier tatsächlich neu entdecken konnte. Drei Werke stachen besonders hervor: Reniés „Légende“, Pépins „Nighthawks“ und Smetanas „Moldau“, drei Werke, die nicht nur deskriptiv waren, sondern eine Geschichte erzählten. Und die Harfenistin erwies sich als hervorragende Erzählerin. Ihr narrativer Vortrag, gepaart mit der Suche nach den exakten Stimmungen, zog das konzentrierte und erstaunlich stille Publikum regelrecht in seinen Bann.

Hinzu kam die exzellente Akustik des Kammermusiksaales, die die Harfe in jeder Hinsicht ins beste Licht rückte. Dieses Konzert war somit eine dreifache Entdeckung: wegen des Instruments, wegen des abwechslungsreichen Programms und wegen der wunderbaren Interpretin.

 

 

Anja Harteros’ intensiver Gesang

Eine andere wunderbare Interpretin konnte man zwei Tage später im großen Saal erleben. Hier sang eine der weltbesten Sopranistinnen der Gegenwart die Wesendonck-Lieder von Richard Wagner. Anja Harteros, international gefeierte Mozart-, Verdi- und Wagner-Interpretin, bot eine atemberaubende und sehr intensive Ausleuchtung dieser fünf Lieder. Ausgehend von einer sehr tragfähigen und schönen Mittellage schwingt sich die Stimme mühelos in höhere Gefilde und auch im tieferen Bereich sitzt sie fest und verströmt puren Wohlklang.

Gustavo Gimeno und das „Orchestre philharmonique du Luxembourg“ überließen ihrer Solistin den Vortritt und begleiteten dezent, aber sehr stimmungsvoll und mit filigranen Linien und Verzierungen. Vor allem die solistischen Einlagen der verschiedenen Instrumentenführer sprachen an diesem Abend für sich.

Auch die beiden anderen Werke gerieten dem OPL hervorragend. Den Anfang machte das wunderschöne Stück „Im Sommerwind“ von Anton Webern, ein Werk aus dem Jahr 1904 mit postromantischem Flair und bereits vielen Hinweisen auf den Impressionismus, der sich mit Debussy und Ravel in Frankreich entwickeln sollte. Gustavo Gimeno dirigierte zügig und schlank, sodass gerade diese impressionistischen Farben sehr gut hervortraten. Und in der Vermittlung dieser sind die Musiker des OPL wirkliche Meister.

Französisch ging es dann nach der Pause weiter. Die effektvolle, aber eher selten aufgeführte „Symphonie in d-Moll“ von César Franck profitierte enorm von Gimenos quasi virtuosem Dirigat. Das zum Teil gefährlich blechlastige Werk wurde vom OPL sehr dynamisch und schlank gespielt; Gimeno erschuf eine präzise Balance zwischen Blech, Holz und Streichern, sodass das Publikum auch dieses dritte Werk des Abends in einer idealen Aufführung erleben konnte.

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